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Das Lust Dilemma bei sexueller Traumatisierung


 

 

Im folgenden Text geht es um sexuelle Gewalt.

Betroffen sind Mädchen wie Jungen, Frauen wie Männer.

Da das nicht aus dem Text hervorgeht, möchte ich es vorab hiermit klarstellen.

 

 

Foto: morguefile.com (Adelaila)


In der Traumabiografie nach Ruppert, steht die sexuelle Traumatisierung nebst dem Trauma der eigenen Täterschaft oben auf. Das bedeutet nicht weniger als, dass sexuelles Trauma eine Folge vom Trauma der Identität und der Liebe ist (ehemals "Symbiosetrauma").

 

Wie schätzt man bestenfalls die Schwere eines sexuellen Traumas ein? Ich habe 7 Parameter, die ich zugrunde lege. Sie helfen mir und meinen Klienten, die Schwere der Traumatisierung zu begreifen, sich bewusst zu werden, was wirklich passiert ist. Die ersten 3 sind mit den letzten 4 ins Verhältnis zu setzen:

  1. Einmaliges Ereignis
  2. Mehrmalige Ereignisse
  3. Mehrere Ereignisse über einen langen Zeitraum (Monate bis Jahre)
  4. Sexismus / Belästigung durch Worte, Reduzierung auf den Körper
  5. Emotionale Gewalt /Zuschreibungen, Erpressungen
  6. Körperliche sexuelle Übergriffe
  7. Körperliche sexuelle Gewalt mit/ohne Penetration

Letztendlich ist alles, was gegen den eigenen Willen geschieht, geprägt von Gewalt.

 

Täter: Die Tat wird entweder verharmlost, abgestritten oder sogar ins Gegenteil verkehrt.

Gefühle: Trigger Reaktionen bzgl. des einst selbst erlebten Traumas, Wut, Verachtung, Rache, Macht, Allmachtsfantasien.

 

Opfer: Überlebensstrategien gipfeln nicht selten in ständiger Re-Inszenierung der Taten bis hin zur Prostitution. Das Opfer schafft sich eine eigene Täter-Opfer-Dynamik. 

Gefühle: Scham, Angst, Schuld, Schmerz, Wut, Ekel.

Um das nicht fühlen zu müssen, verdreht sich alles im Opfer: Promiskuität, Sexsucht, das "Hobby zum Beruf" machen. Aufgrund der frühen Spaltung von Körper und Psyche, reagieren beide getrennt voneinander.

 

Wenn also der Körper Stimulation erfährt, reagiert er mit "Lust-Symptomen", die Vagina wird feucht, der Penis erigiert, die die Betroffenen glauben machen,  sexuelle Lust zu erleben. Erinnerungen an die frühen gewaltsamen Ereignisse, die der Täter oft damit gerechtfertigt hat, indem er behauptete, dass das Opfer es ja so will, ja sogar erregt, geil ist und Lust hat, werden wach. Scham und Schuld des Opfers müssen wieder unterdrückt werden. Ein Kreislauf. 

 

Wahrhaftige Lust ist etwas Ganzheitliches, den Körper, die Psyche, Spüren und Fühlen betreffend. Es stimmt schlichtweg nicht, dass das (ehemalige) Opfer Lust empfindet. Der Körper reagiert lediglich mit Erregung auf gesetzte Stimulation, sogar bis hin zum Orgasmus.

 

In einer Partnerschaft kann sexuelle Erregung sowohl beim Opfer selbst, als aber auch beim Partner als Trigger erlebt werden. Das Opfer muss sich dann jedes Mal spalten. Es erlebt das Zusammensein weder als erfüllend noch liebevoll, sondern der traumatisierte (Kind-)Anteil verwechselt das Heute mit dem Gestern. Spaltung und Starre sind die Folge oder Spaltung und Abreaktion des Körpers als Re-Inszenierung des unbearbeiteten Traumas.

 

Wenn ehemalige Opfer (Männer wie Frauen) sexueller Gewalt sich prostituieren, machen sie sich selbst und ihre "Freier" zum Opfer. Sie sind Täter an sich und bestrafen sich unaufhörlich mit ständiger Wiederholung der Taten von früher. Sie instrumentalisieren dafür traumatisierte Menschen, manchmal sogar mit der Idee es nun allen Männern oder allen Frauen heimzuzahlen. Sie fühlen sich dann als Machtperson, die die Fäden in der Hand hat, übersehen dabei, in doppelter Täterschaft sowie im Opfersein gefangen zu sein. Die gleiche Dynamik finden wir bei Menschen, die zu Prostituierten gehen, um mit ihnen Sex haben.

 

Eine Aufstellungsarbeit zum Thema „Das Lust-Dilemma bei sexueller Traumatisierung“ beim 4. Internationalen Kongress in München (10/2018) zeigte die Täter-Opfer-Spaltung sehr deutlich. Die Klientin war völlig zerrissen. Sie wollte für ihre traumatisierten Anteile da sein, aber auch für Ihr Ich. Das "Ich" und ihr Anteil, der für „Lust“ aufgestellt war, wollten mit dem Trauma nichts zu tun haben. Sie lehnten sich an einen männlich aufgestellten Anteil an, von dem bis zum Schluss der Arbeit keiner wusste, wer er war. Weder die Klientin selbst, noch ihre beiden Anteile „Ich“ und „Lust“ kamen auf die Idee nachzufragen. Beide vertrauten dem „ männlichen Außen“ mehr als dem Inneren der Klientin. Das wiederum erzeugte Misstrauen, Verzweiflung, Wut, Traurigkeit bei den inneren abgespaltenen Kindanteilen, die zunächst Hoffnung schöpften, nun endlich gesehen zu werden. Der Klientin war bis dahin nicht bewusst, wie sehr sie blind vertraut, in der Hoffnung auf ein bisschen Zuwendung und Liebe. Ihr für "Lust" aufgestellter Anteil und ihr "Ich" waren Überlebensanteile, die ihre frühe sexuelle Gewalt immer wieder re-inszenierten, verwechselnd mit Liebe und Lust. Antriebsfeder war ihr Wunsch, ihrer Einsamkeit zu entfliehen, die die Klientin sehr früh und dauerhaft erlebt hat. Und das ihr bekannte (Trauma-) Muster war Sex.

 

Sex und Liebe werden nach sexueller Traumatisierung oft verwechselt. Man kann beides getrennt voneinander erleben. Sex als Abreaktion ohne Liebe zu sich selbst und zum Gegenüber oder Sex mit Liebesgefühlen, sich selbst liebend, sich selbst spürend, nachspürend was sich gut anfühlt, mit warmen Herz- und Bauchgefühlen dem/r PartnerIn gegenüber, im Einklang miteinander, nichts fordernd oder machend, was man selbst oder der andere nicht möchte.

 

Eine Perspektive in der IoPT

Auswege: Um aus einer Täter-Opfer-Dynamik auszusteigen, braucht es ein "Ja" zu sich, einen festen Willen, eine Bereitschaft, an sich zu arbeiten und sich dabei professionell begleiten zu lassen. Wir müssen unser damaliges Opfersein anerkennen, ebenso wie das aktuelle Tätersein. Dann können wir uns auf den Weg machen, Mitgefühl für uns und andere zu entwickeln...

 

Herzlichst

Ihre/Deine

Andrea Stoffers

 

Sexuelle Gewaltverherrlichung als Trauma-Überlebensstrategie


Pornografie und Prostitution 

•Deutschland ist das Land, in dem Prostitution legal, Pornografie im worldwide web jedem, auch Kindern, zugänglich ist. 

•Deutschland ist das Land, in dem Sex-Flatrates öffentlich auf Werbebannern angeboten werden. 

•Deutschland ist das Land der Freiheit!? 

•Deutschland ist das Land der Ignoranz und Verdrängung!? 

•Deutschland ist das einzige Land Europas, für das Sextourismus angeboten wird!

Legalisierung bedeutet Freiheit?

•Die Idee, Frauen aus der Illegalität und Zwangsprostitution mit einer Legalisierung zu befreien, ist nicht aufgegangen. 

•Im Gegenteil, es gibt nirgends so viele Bordelle wie hier. 

•Dass es sich dabei um eine Legalisierung von Gewalt handelt, wird vollkommen außer Acht gelassen. 

•Verdrängung und Ignoranz sind Überlebensstrategien. 

•Akzeptanz von Pornografie und Prostitution bedeutet in diesem Fall, die Verdrängung und Ignoranz von Gewalt und Kriminalität.

Gewalt und Kriminalitität

•Die Erlaubnis zum käuflichen Sex lädt zur Kriminalität ein. 

•Die meisten Prostituierten nehmen Drogen, um ihren Arbeitstag überhaupt bewältigen zu können. 

•Die Pornoindustrie ist ein Arbeitsfeld, in dem Menschen nur funktionieren. 

•Wer behauptet, das Hobby zum Beruf zu machen, redet sich seine traumatisierenden Erlebnisse schön, was auch eine Überlebensstrategie ist.

Das Prostitutionsgesetz von 2002

1.Soll Kriminalität verdrängen und Arbeitsbedingungen verbessern

2.Regelt die rechtliche Stellung von Prostitution als Dienstleistung

3.Lohn kann eingeklagt werden

4.Prostituierte erhalten Zugang zur Sozialversicherung

Prostitution soll endlich ein „normaler Beruf“ sein.

Raus aus der Illegalität

•Mit dem Prostitutionsgesetz ist Prostitution nicht mehr illegal

•Das soll die Prostituierten schützen

•Es stärkt jedoch Freier und Zuhälter

•Seitdem kommen immer mehr Kriminelle nach Deutschland

•Es öffnet die Türen für Menschenhandel

•Großbordelle entstehen und damit „Arbeitsplätze“

•Es gibt zwischen 400.000 und 1 Million Prostituierte in Deutschland

Golden der Liberalisierung

•Die Preise für käuflichen Sex sind massiv gesunken

•Um mehr zu verdienen, damit die teuren Zimmer bezahlt werden können, bieten P. immer gefährlichere Sexpraktiken an (z.B. kondomlosen Sex und andere selbstverletzende Praktiken)

•Die Konsequenz ist die Zunahme von Drogen- und Alkoholkonsum

•Die Frauen müssen fast rund um die Uhr arbeiten

•Menschenhandel hat massiv zugenommen

•Deutschland erlebt einen Sex-Tourismus-Boom

•Die Nachfrage ist extrem gestiegen

•Marktlücken wie Sex-Bus-Reisen aus dem Ausland wurden geschlossen

•Sogenannte Loverboys rekrutieren immer jüngere Frauen

•Menschenhändler werben junge Frauen als 

   Models an und zwingen sie dann zur Prostitution

•Gewalttaten durch Zuhälter bleiben unentdeckt

Erfahrungen der 

Traumatherapeutin Ingeborg Kraus

Frau Kraus arbeitet seit über 20 Jahren mit Prostituierten

Bei all ihren Patientinnen liegt sexuelle Gewalterfahrung in der Kindheit zugrunde

Die Überlebensstrategien der Frauen sind ihrer Erfahrung nach:

1.Drogen- und Alkoholkonsum

2.Dissoziieren während sexueller Handlungen

3.Verharmlosung ihres Berufes

4.Verherrlichung ihres Berufes

Studie des Bundesfamilienministeriums 2004

Von Frauen, die sexuelle Handlungen verkaufen 

•Wurden 92 % früher sexuell belästigt

•Erlebten 82 % früher psychische Gewalt

•Erlebten 87 % seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche Gewalt

•Erlebten 59 % seit ihren 16. Lebensjahr sexuelle Gewalt

Missbrauchserfahrungen von Frauen, die sexuelle Handlungen verkaufen, in Kindheit und Jugend:

•43 % wurden als Kind sexuell missbraucht

•52 % erlebten als Kind körperliche Bestrafungen

•Ein relevant hoher Anteil erlebte als Kind körperliche Misshandlungen durch Erziehungspersonen

(Anmerkung AS: Ich denke, es sind 100 %, die als Kind sexuelle Gewalt erfahren haben)

2017 wurde das Prostitutionsgesetz in das ProstituiertenSCHUTZgesetzgeändert

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